Pflegepersonaluntergrenzen – der Anfang der Wende? Teil 2

2018-11-13T10:21:10+00:00Montag, Oktober 8, 2018|

Pflegepersonaluntergrenzen – ein Allheilmittel?

(…) Fortsetzung hier geht es zum ersten Teil

Das darf jedoch bezweifelt werden. Zu viele Fragen und Baustellen sind noch offen.

Besonders die Krankenhäuser stehen der geplanten Regelung skeptisch bis ablehnend gegenüber.

Der Tenor ist dabei eindeutig: Die Krankenhäuser sind gegen harte Grenzwerte.

Sie sehen sich unter anderem in ihrer Flexibilität eingeschränkt, individuell und kurzfristig auf die Patientenauslastung zu reagieren.

Sie fordern zudem längere Übergangsfristen, um die Personaldecke aufzustocken. Der Zeitraum zur Umsetzung sei in der Praxis schlichtweg nicht zuverlässig einzuhalten.

Aus dieser Uneinigkeit lauert eine Gefahr, die keinem weiterhelfen würde: Um das Gesetz einhalten zu können, könnte es zu Personalrochaden auf den Krankenhausstationen kommen. Pflegekräfte werden von Station zu Station geschoben, um die Grenzwerte entsprechend zu realisieren. Leidtragende wären hierbei das Personal und die Patienten.

Ein weiteres großes Problem: Theorie versus Praxis

Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wie werden die offenen Stellen in diesem kurzen Zeitraum besetzt?

Wollte die Regelung ab dem 1. Januar 2019 so eins zu eins in Kraft treten, gilt es bis dahin noch eine Mammutaufgabe zu lösen:

Um die Personaluntergrenzen flächendeckend zu gewährleisten, müsste man sofort um die 10.000 offenen Stellen für Fachkräfte decken.

Das alte Problem des Fachkräftemangels lässt sich wohl nicht im Handumdrehen in wenigen Monaten lösen.

Stattdessen gilt es, weiterhin Anreize für die Ausbildung und die Ausübung des Berufs zu schaffen.

Des einen Freud, des anderen Leid?

Mehr Personal bedeutet gleichzeitig Entlastung für die bisherigen Pflegekräfte – eine durchweg gute Sache.

Allerdings gibt es einen Haken:

Die Krankenhäuser sind ab sofort gezwungen, ihre Personaldecke zu überprüfen.

Die Klausel, dass genug Fachpersonal auf der Station sein muss bedeutet im Umkehrschluss nämlich wohl auch: Pflegehilfskräfte, die oft lange Berufserfahrung aufweisen und eine ähnliche oder gleiche Qualität wie examinierte Kräfte mitbringen, werden ersetzt beziehungsweise weichen müssen.

Ein Anfang ist gemacht, aber…

Kritik gibt es bereits jetzt an der Beschränkung der Untergrenzen auf „pflegesensitive Bereiche“.

Was ist mit Senioren- und anderen Pflegeheimen? Was ist mit den übrigen Krankenhausstationen?

Laut der Gewerkschaft Verdi müsste das Pflegepersonal allein in Kliniken insgesamt um 22 Prozent aufgestockt werden, um die Personaluntergrenzen ganzheitlich zu bewerkstelligen. In absoluten Zahlen ausgedrückt fehlen aus Sicht von Verdi aktuell 80.000 Pflegekräfte.

Die Antwort des Bundesgesundheitsministeriums lautet darauf:

Ab 2020 soll der „Ganzhausansatz“ eingeführt werden, der die Pflege im gesamten Krankenhaus regelt.

Dazu wird in Zukunft das Verhältnis von eingesetztem Pflegepersonal zu individuellem Pflegeaufwand eines Krankenhauses ermittelt. Krankenhäuser dürfen dabei einen noch festzulegenden Wert nicht unterschreiten.

Fazit

Pflegepersonaluntergrenzen haben das Potential, die Wende zur „Pflege der Zukunft“ einzuleiten, weil sie aktiv gegen den Stillstand wirken und alle Beteiligten unter Zugzwang setzen. Jetzt müssen Taten folgen. Es bleibt noch viel zu tun.

Pflegepersonaluntergrenzen – ein Allheilmittel?

(…) Fortsetzung hier geht es zum ersten Teil

Das darf jedoch bezweifelt werden. Zu viele Fragen und Baustellen sind noch offen.

Besonders die Krankenhäuser stehen der geplanten Regelung skeptisch bis ablehnend gegenüber.

Der Tenor ist dabei eindeutig: Die Krankenhäuser sind gegen harte Grenzwerte.

Sie sehen sich unter anderem in ihrer Flexibilität eingeschränkt, individuell und kurzfristig auf die Patientenauslastung zu reagieren.

Sie fordern zudem längere Übergangsfristen, um die Personaldecke aufzustocken. Der Zeitraum zur Umsetzung sei in der Praxis schlichtweg nicht zuverlässig einzuhalten.

Aus dieser Uneinigkeit lauert eine Gefahr, die keinem weiterhelfen würde: Um das Gesetz einhalten zu können, könnte es zu Personalrochaden auf den Krankenhausstationen kommen. Pflegekräfte werden von Station zu Station geschoben, um die Grenzwerte entsprechend zu realisieren. Leidtragende wären hierbei das Personal und die Patienten.

Ein weiteres großes Problem: Theorie versus Praxis

Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wie werden die offenen Stellen in diesem kurzen Zeitraum besetzt?

Wollte die Regelung ab dem 1. Januar 2019 so eins zu eins in Kraft treten, gilt es bis dahin noch eine Mammutaufgabe zu lösen:

Um die Personaluntergrenzen flächendeckend zu gewährleisten, müsste man sofort um die 10.000 offenen Stellen für Fachkräfte decken.

Das alte Problem des Fachkräftemangels lässt sich wohl nicht im Handumdrehen in wenigen Monaten lösen.

Stattdessen gilt es, weiterhin Anreize für die Ausbildung und die Ausübung des Berufs zu schaffen.

Des einen Freud, des anderen Leid?

Mehr Personal bedeutet gleichzeitig Entlastung für die bisherigen Pflegekräfte – eine durchweg gute Sache.

Allerdings gibt es einen Haken:

Die Krankenhäuser sind ab sofort gezwungen, ihre Personaldecke zu überprüfen.

Die Klausel, dass genug Fachpersonal auf der Station sein muss bedeutet im Umkehrschluss nämlich wohl auch: Pflegehilfskräfte, die oft lange Berufserfahrung aufweisen und eine ähnliche oder gleiche Qualität wie examinierte Kräfte mitbringen, werden ersetzt beziehungsweise weichen müssen.

Ein Anfang ist gemacht, aber…

Kritik gibt es bereits jetzt an der Beschränkung der Untergrenzen auf „pflegesensitive Bereiche“.

Was ist mit Senioren- und anderen Pflegeheimen? Was ist mit den übrigen Krankenhausstationen?

Laut der Gewerkschaft Verdi müsste das Pflegepersonal allein in Kliniken insgesamt um 22 Prozent aufgestockt werden, um die Personaluntergrenzen ganzheitlich zu bewerkstelligen. In absoluten Zahlen ausgedrückt fehlen aus Sicht von Verdi aktuell 80.000 Pflegekräfte.

Die Antwort des Bundesgesundheitsministeriums lautet darauf:

Ab 2020 soll der „Ganzhausansatz“ eingeführt werden, der die Pflege im gesamten Krankenhaus regelt.

Dazu wird in Zukunft das Verhältnis von eingesetztem Pflegepersonal zu individuellem Pflegeaufwand eines Krankenhauses ermittelt. Krankenhäuser dürfen dabei einen noch festzulegenden Wert nicht unterschreiten.

Fazit

Pflegepersonaluntergrenzen haben das Potential, die Wende zur „Pflege der Zukunft“ einzuleiten, weil sie aktiv gegen den Stillstand wirken und alle Beteiligten unter Zugzwang setzen. Jetzt müssen Taten folgen. Es bleibt noch viel zu tun.