Gekommen, um zu bleiben… oder doch nicht?

Warum viele ausländische Pflegekräfte Deutschland wieder verlassen.

 

  1. Erfahrungsmangel in der Anstellung

Viele Arbeitgeber in der Pflegebranche haben keine Erfahrung damit, ausländische Pflegekräfte zu integrieren.

Viele Krankenhäuser und Einrichtungen geben sich der Illusion hin, dass der Rekrutierungsprozess damit endet, eine stattliche Summe an eine Vermittlungsagentur zu überweisen. Oft bleiben die neuen Mitarbeiter dann sich selbst überlassen. Beispielsweise ist eine ausreichende Einarbeitungszeit nicht eingeplant. Dabei gehen Experten davon aus, dass es bis zu zwei Jahre dauert, bis sich ein Vermittlungsprozess bezahlt macht.

 

  1. Unterschiedliche Ausbildungssysteme

Viele Fachkräfte, die aus dem Ausland kommen, haben einen universitären Abschluss oder sonstige Ausbildungsgrade, die in Deutschland nicht anerkannt werden. Beispielsweise arbeiteten viele in ihrem Heimatland auch als Arzt oder Ärztin. In Deutschland wird ihre Approbation nicht anerkannt, weshalb sie als Pflegekräfte eingestellt werden. Auch die Ausbildung zur Pflegefachkraft ist eher theoretischer Natur. Eine hochqualifizierte schulisch, praktische Ausbildung ist ihnen nicht bekannt. So kann es im Praxisalltag, der in Deutschland in die Ausbildung integriert ist, zu Differenzen kommen

 

  1. Konfliktpotential unter Kollegen

Die oft vermuteten „kulturellen Unterschiede“ sind laut der Studie nicht das Hauptproblem dafür, dass es in den Einrichtungen häufig zu Lagerbildungen zwischen einheimischen und ausländischen Pflegekräften kommt.

Dadurch, dass die ausländischen Pflegekräfte häufig ins kalte Wasser geschmissen werden, braucht es Zeit, sich in die neue Arbeitsweise einzuarbeiten und sich dem deutschen Pflegesystem anzupassen.

Integration erfordert neben Arbeit auch Zeit – Zeit, die es im Pflegealltag oft nicht gibt. Der Tag ist generell so eng getaktet, dass es keinen Platz für Fehler und, in diesem Fall, nötige Lernprozesse gibt.

Viele deutsche Kollegen fühlen sich deshalb als Leidtragende, im Arbeitsalltag Arbeit mitzutragen, da die immigrierten Kollegen, auch aufgrund der Sprachbarriere, im stressigen Alltag nicht voll einsetzbar sind.

 

Das Problem?

Die Integration ausländischer Pflegekräfte in das deutsche Pflegesystem wird generell zu wenig und wenn, dann zu unstrukturiert angegangen.

 

Die Lösung? Gute Vorbereitung und Begleitung!

 

Auch die Arbeitergewerkschaft Verdi sieht an diesem Punkt großen Handlungsbedarf:

„Damit die zugewanderten und einheimischen Pflegekräfte Hand in Hand miteinander arbeiten können, braucht es eine gute Vorbereitung und Begleitung aller Beteiligten“, sagte Sylvia Bühler, Mitglied im Verdi-Bundes­vorstand.

Wichtig für eine erfolgreiche und nachhaltige Integration ausländischer Pflegefach­kräfte seien zudem bessere Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten – so bliebe auch mehr Zeit für die Einarbeitung und Betreuung.

 

Abbau der Sprachbarriere

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn sprach sich zudem dafür aus, bei Pflegekräften aus dem Ausland möglichst früh mit Deutschunterricht zu beginnen. „Idealerweise, bevor sie nach Deutschland kommen.“ So könnte man zumindest von Beginn an Dinge offener und klarer kommunizieren.

 

Flächendeckende, einheitliche Einführungskurse

Teilweise werden sie schon angeboten, doch längst noch nicht flächendeckend genutzt: Kurse, die die Pfleger auf den deutschen Praxisalltag in den Einrichtungen vorbereiten. Profitieren würden beide Parteien: die Einrichtungen stellen Personal ein, das auch wirklich vollumfänglich einsetzbar ist – die zugewanderten Pflegekräfte wissen nun, was auf sie zukommt. Sie fühlen sich entsprechend vorbereitet.

 

Klar ist allerdings, dass die Kollegen aus dem Ausland eine echte Chance für das deutsche Gesundheitssystem sind. Nun geht es darum, diese Chance auch richtig zu nutzen.